Menu
Mindfulness und Spiritualität

Rosa Koppelmann – Über das bewusste Leben und Arbeiten im Wohnmobil

Rosa Koppelmann, 32 Jahre, geboren in Berlin und Tochter eines Schamanen und einer Therapeutin. Nach einem BA in interkultureller Kommunikation, einem MA in Afrikanistik und einer Ausbildung zur Ernährungsberaterin, arbeitet die zweifache Mutter heute als Bloggerin und Schriftstellerin. Zurzeit reist sie mit ihrer Familie im Wohnmobil durch Europa und arbeitet von unterwegs.  

Du bist selbstständig – was machst du denn genau?

Ich arbeite als Bloggerin und Autorin. Auf meinem Blog consciouslifestyleofmine.com schreibe ich über alles rund um das Thema „nachhaltiger Lifestyle“ – von fairer Mode bis zu ethischem Banking. Dort teile ich auch immer wieder Einblicke in unser Leben im Wohnmobil mit zwei kleinen Kindern. Außerdem schreibe ich gerade an dem Buch „Vertrauen nach Fehlgeburt“, welches im Sommer 2020 bei Palomaa Publishing erscheinen wird. Die Arbeit an dem Buch macht mir zurzeit besonders viel Freude und es bestärkt mich ungemein, wie viel tolles Feedback ich bereits im Entstehungsprozess von betroffenen Frauen bekomme.

Rosa Koppelmann
Rosa Koppelmann

Momentan bist du ja mit deiner Familie auf Reisen auf der iberischen Halbinsel. Wie kam es denn dazu?

Als ich mit unserem zweiten Kind schwanger war, haben mein Mann und ich uns entschieden, ein paar Dinge in unserem Leben grundlegend zu verändern, um mehr Zeit für unsere beiden Kinder zu haben. Bis zu dem Zeitpunkt hatten wir eine Firma (Whole Food Box), die wir dann im April 2019 verkauft haben. Die Firma haben wir gegründet, als unsere erste Tochter auf die Welt kam – ebenfalls mit der Idee, mehr Zeit für sie zu haben. Nach drei Jahren war die Firma aber an einem Punkt, wo sie uns ziemlich viel Zeit und Energie abverlangt hat und wir Veränderung brauchten. 

Die Idee mit einem Wohnmobil durch Europa zu reisen war zuerst nur ein Witz: als wir Ende 2018 entschieden, unsere Firma zu verkaufen, sagte ich im Scherz „Und dann kaufen wir uns ein Wohnmobil und reisen durch Europa!“. Irgendwie gefiel uns die Idee dann aber so gut, dass wir sie immer weiterverfolgten und schlussendlich Ende August 2019 losfuhren. 

Wie integrierst du deine Arbeit in euren Alltag als Familie im Wohnmobil?

Ich arbeite jeden Tag 2-4 Stunden, an sieben Tage die Woche. Meistens arbeite ich am Vormittag, während mein Mann mit den Kindern draußen ist. Zurzeit arbeite ich vor- und nachmittags, weil ich durch die Manuskript-Abgabe in zwei Wochen sehr viel zu tun habe. Dadurch, dass wir in der Regel irgendwo in der Natur stehen, sind die Kinder gerne mit meinem Mann draußen und ich genieße die Aussicht und gute Luft, während ich im Wohnmobil sitze und schreibe. Manchmal setze ich mich auch in ein Café, wenn eins in der Nähe ist. Oder aber einfach auf einen Stuhl in den Wald. Nur am Strand kann ich nicht so gut arbeiten, weil ich dann immer Sand zwischen den Tasten habe.  

In meinen Instagram-Stories teile ich übrigens viele Einblicke aus meinem Alltag hier im Wohnmobil, man findet mich dort als conscious_lifestyle_of_mine . 

Rosa Koppelmann
Rosa beim Arbeiten in der Natur

Wie stark seid ihr denn von der aktuellen Corona-Krise betroffen und wie wirkt sich das auf dein Berufsleben aus?

Corona kam mit ganz schöner Wucht hier angebraust. Wir waren zuerst noch in Spanien an einem schönen Platz am Meer und plötzlich kam die Polizei und hat den Strand abgesperrt und uns gesagt, dass wir das Wohnmobil nicht mehr verlassen dürfen. Das ist mit zwei kleinen Kindern ziemlich unmöglich. Also sind wir in letzter Minute, kurz bevor die Grenzen geschlossen wurden, rüber nach Portugal. Hier stehen wir ganz im Süden, wo es bisher erst eine Handvoll Fälle gibt und es somit ziemlich ruhig ist. Bisher dürfen wir hier am Strand stehen und uns auch relativ frei bewegen. Viele unserer Reise-Freunde haben sich in den letzten Tagen verabschiedet und sind zurück nach Deutschland gefahren oder geflogen. Aber auf der anderen Seite kommen neue Reise-Freunde dazu. Wir wachsen alle etwas enger zusammen und helfen uns, wo wir können. So haben wir heute zum Beispiel eine volle Gasflasche geschenkt bekommen, damit wir nicht mit dem Wohnmobil rumfahren müssen, um eine zu suchen, auf die unser Adapter passt. 

Auf mein Berufsleben wirkt sich das bisher nicht allzu sehr aus: ich habe ein paar Tage weniger gearbeitet als sonst, weil einfach zu viel los war, aber ansonsten schreibe ich weiter und habe auch noch einige Aufträge, die ich in den nächsten Wochen abarbeiten darf.

Leben und Arbeiten im Wohnmobil
Leben und Arbeiten im Wohnmobil

 

In deinen Beiträgen kann man sehen, dass Spiritualität ein sehr wichtiger Teil von dir ist. Wie lebst du denn deine Spiritualität?

Meine Spiritualität ist ein ganz normaler Teil meines Alltags – ich praktiziere sie nicht auf besondere Art und Weise, auch wenn ich es versuche … aber am Ende meditiere ich doch eher nur ein Mal pro Woche, anstatt jeden Tag und mache auch sonst nicht wirklich irgendwas Konkretes. Aber in meinem Alltag ist sie einfach Teil vom Leben: ich bedanke mich so ungefähr 100x Mal am Tag beim Universum, ich mache mir jeden Tag mehrmals meine Ziele bewusst und bringe mich selbst in einen Zustand der Freude darüber, was ich noch alles erschaffen darf, ich achte auf Zeichen in meinem Umfeld, ich vergebe mir und anderen mit einem kleinen 5-Sekunden-Ritual, ich mache mir immer wieder bewusst, dass ich alles in meinem Leben selbst erschaffe, etc. etc. etc. 

Spiritualität und Beruf – wie wirkt sich denn deine Spiritualität auf deine Berufung aus?

Durch meine Auseinandersetzung mit mir selbst und meiner Spiritualität, habe ich den Mut fassen können, meiner Berufung zu folgen. Jetzt nutze ich mein Vertrauen in mich und die Welt ganz bewusst, um meine Ziele zu erreichen. Das hat mir meine Arbeit und meinen Alltag sehr viel leichter und schöner gemacht. 

Liebe Rosa, magst du den femclub-Leserinnen noch ein paar Tipps zu einem selbstständigen Lebenstil geben?

Einmal zur Integration von Spiritualität in die Selbstständigkeit:

Die Auseinandersetzung mit sich selbst ist ein unheimlich wichtiger Prozess, um in die eigene Kraft zu kommen und sich selbst lieben zu lernen. Liebt man sich selbst, so kann man alles schaffen: jeder kennt das Gefühl, wenn man verliebt ist und das Gefühl hat, dass ALLES möglich ist. Dieses „wir zwei können alles schaffen, egal wie schwierig es ist!“. Dieses Gefühl gilt es zu entwickeln: auch ohne in einen anderen Menschen verliebt zu sein! Einfach durch die Liebe zu sich selbst und das Leben. Spiritualität kann dabei helfen, da sie dir zeigt, dass du unendlich wertvoll bist, unendlich weise, unendlich stark – kurz, dass du ein göttliches Wesen bist, dass alles schaffen kann. Wenn man sich das bewusstmacht, wird das (Arbeits-) Leben plötzlich ganz leicht. 

Und dann zum Schaffen eines Arbeitsalltags in ungewöhnlichen Arbeitssituationen wie z.B. auf Reisen im Wohnmobil:

Das hängt natürlich sehr davon ab, ob man allein oder in einer Beziehung oder mit Familie lebt. Wir leben zu viert im Wohnmobil und da müssen wir immer viel besprechen: wie viel Mama-Zeit brauchen die Kinder, wie viel Frau-Zeit braucht der Mann, wie viel Ich-Zeit brauche ich und wie lässt sich das alles kombinieren. Immer wieder die Bedürfnisse aller Beteiligten wahr- und ernst zu nehmen ist die Grundlage, damit irgendwas funktioniert. Wenn es dir nicht gut geht, wirst du nicht gut arbeiten können – aber genauso wenig wirst du gut arbeiten können, wenn es deinem Partner nicht gut geht oder deinen Kindern. So muss man immer wieder eine Balance finden, die für alle stimmt. 

Vielen lieben Dank für das schöne Interview, liebe Rosa!

No Comments

    Leave a Reply